Sport-Mentaltrainer: Zwischen fundierter Expertise und „Selfmade“-Coaching
Wer darf sich eigentlich „Sport-Mentaltrainer“ nennen? Die Antwort ist so simpel wie ernüchternd: Jeder. Da die Berufsbezeichnung gesetzlich nicht geschützt ist, unterliegt der Zugang zum Markt keinerlei staatlichen Hürden. Theoretisch könnte eine Kassiererin im Supermarkt – die zweifellos über eine hohe soziale Kompetenz verfügt – morgen beschließen, ihre Berufung im Leistungssport zu suchen.
(Dies soll die wertvolle Arbeit im Einzelhandel nicht schmälern, verdeutlicht aber die drastische Diskrepanz der Anforderungsprofile).
Ein intensives Selbststudium, vielleicht 15 Fachbücher und eine ordentliche Portion Selbstvertrauen reichen aus, um sich offiziell als Sport-Mentaltrainerin zu bezeichnen. Dass die Arbeit mit Profisportlern auf einem solch autodidaktischen Fundament auf dünnem Eis steht, versteht sich von selbst.
Qualitätssicherung durch das ZFU-Siegel?
Ein seriöserer Weg führt über zertifizierte Online-Ausbildungen, die das ZFU-Siegel tragen. Doch was steckt hinter dieser Abkürzung?
Die Staatliche Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) fungiert als Kontrollinstanz. Ihre Aufgabe ist es, das Fernunterrichtsgesetz (FernUSG) durchzusetzen und Verbraucher vor minderwertigen Angeboten zu schützen. Alle drei Jahre findet ein zweistufiger Prüfprozess statt:
1. Fachliche Ebene: Externe Experten prüfen, ob die Inhalte korrekt sind.
2. Methodische Ebene: Die ZFU bewertet, ob das didaktische Konzept überhaupt geeignet ist, das Lehrgangsziel zu erreichen.
Das bedeutet jedoch lediglich: Die Qualität des Fernunterrichts ist formal gesichert – über die Tiefe oder den tatsächlichen Marktwert der Inhalte sagt das Siegel nur bedingt etwas aus.
Ein Markt voller Unterschiede
Meine ausführliche Recherche zeigt: Wer Sport-Mentaltrainer werden will, landet in einem Dschungel aus Angeboten. Die Curricula schwanken massiv. Ein direkter Vergleich der Top-Treffer (ohne Nennung der Namen) macht deutlich, wie weit die Schere zwischen den Anbietern auseinandergeht:
Marktcheck: Vier Wege zum „Sport-Mentaltrainer“ im Vergleich
Die folgende Aufstellung verdeutlicht, wie stark die Anforderungen an Zeit, Budget und Prüfungsleistung variieren. Besonders auffällig ist die Diskrepanz zwischen umfassenden Ausbildungen und schnellen „Zertifikats-Kursen“.
Anbieter 1: Sport-Mentaltrainer B-Lizenz, Online-Ausbildung mit Online-Präsenzanteil (inaktiv)
Dauer: Lernumfang 437 Unterrichtseinheiten- entspricht ca. 328 Zeitstunden
Kosten: 798,00 €
Abschluss: Onlineprüfung, mündlich & praktisch mit Punktevergabe. Es muss mindestens 50% der Gesamtpunktzahl erreicht werden, um positiv abzuschließen.
Anbieter 2: Fachqualifikation zum Sportmentaltrainer, Online mit Präsenzanteil (aktiv / inaktiv)
Dauer: 16 Wochen (kann kostenfrei über- oder unterschritten werden)
Kosten: 600,00 €
Abschluss: Erstellung einer Abschlussarbeit (Umfang 30 Seiten), in der ein Sport-Mentaltraining-Konzept ausgearbeitet wird
Anbieter 3: Zertifizierung zum Sport Mentaltrainer (ohne ZFU) Online
Dauer?
Nach Absolvierung von 50 Lerneinheiten (LE) im Selbststudium sowie der erfolgreichen Bearbeitung sportrelevanter Fallstudien und Theoriefragen wird das Zertifikat “Sport-Mentaltrainer“ verliehen.
Kosten: Kosten: 296,00 €
Anbieter 4: Ausbildungsanbieter aus Österreich, Online mit Präsenzanteil (aktiv / inaktiv)
Zert./Dipl. Sport Mentaltrainer
Dauer: Lernumfang 350 Unterrichtseinheiten- entspricht ca. 263 Zeitstunden
Kosten: 483,00 €
Abschluss: Onlineprüfung mündlich
Die Recherche macht drei Kernproblematiken deutlich:
1. Die „Zeit-Falle“: Während Anbieter 1 und 4 einen Umfang von über 300 Zeitstunden veranschlagen, reduziert Anbieter 3 das gesamte Wissen auf lediglich 50 Lerneinheiten. Es ist fraglich, ob in dieser kurzen Zeit eine fundierte Betreuung von Leistungssportlern erlernt werden kann.
2. Qualitätssicherung: Anbieter 3 verzichtet gänzlich auf ein ZFU-Siegel. Damit entfällt die staatliche Kontrolle über die didaktische Eignung und die fachliche Korrektheit der Inhalte.
3. Prüfungsanspruch: Die Hürden für den Abschluss schwanken extrem – von einer simplen Beantwortung von Fragen (Anbieter 3) über mündliche Prüfungen (Anbieter 4) bis hin zur Ausarbeitung eines komplexen, 30-seitigen Mentaltrainings-Konzepts (Anbieter 2).
Fazit: Der Titel „Sport-Mentaltrainer“ sagt ohne Blick auf das dahinterstehende Curriculum wenig über die tatsächliche Qualifikation aus.
Die Preisspanne von ca. 300 € bis 800 € spiegelt dabei meist direkt die Tiefe der Ausbildung wider.
Die „Was-nun?“-Falle: Zwischen Theorie-Note 1 und praktischer Ratlosigkeit
Die Ausbildungskosten klaffen ebenso weit auseinander wie die Inhalte. Da kein Standard existiert, setzt jeder Anbieter seine Schwerpunkte nach eigenem Ermessen.
Ich selbst habe diese Erfahrung hautnah gemacht: Meine erste Qualifikation bei Anbieter 2 schloss ich mit der Note 1 ab.
Auf dem Papier ein Erfolg, in der Realität jedoch ein Sprung ins kalte Wasser.
Die Ausbildung war extrem sportpsychologisch geprägt. Was mir jedoch massiv fehlte, war das „Handwerkszeug“:
- Methodik: Mit welchen konkreten Tools arbeite ich in einer Akutsituation?
- Praxis-Transfer: Wie gelingt der Einstieg in die Zusammenarbeit mit Athleten oder Verbänden?
- Netzwerk: Wo finde ich Austausch mit Kollegen, um Fälle zu supervidieren?
Am Ende stand ich mit einem exzellenten Zeugnis da, aber die entscheidenden Fragen blieben unbeantwortet:
- Bietet der Anbieter ein Netzwerk für den fachlichen Austausch?
- Gibt es gezielte Weiterbildungen, die auf dem Wissen aufbauen?
- Bei welchen Verbänden (z.B. LSB, DOSB oder Fachverbände) wird dieser Abschluss überhaupt als Lizenzfortbildung anerkannt?
- Wo genau fungiert dieses Zertifikat als echter Türöffner – und wo wird es lediglich als „Interesse am Thema“ belächelt?
Seitens des Anbieters herrschte hier Funkstille. Die Ernüchterung folgte prompt: „Und jetzt? Was fange ich damit an?“ Diese Ungewissheit trieb mich zurück in die Recherche.
Die Erkenntnis: Es gibt sie doch – die fundierte Alternative
Meine weiterführende Recherche führte mich zu einer Institution, die ein völlig anderes Level an Professionalität und Vernetzung bietet.
Hätte ich diese früher entdeckt, wäre mein Einstieg in die Praxis vermutlich deutlich zielgerichteter verlaufen.
Deutsche Mentaltrainer Akademie e.V. (DMA) / DBVS
Hinter der DMA steht mit dem DBVS (Deutscher Bundesverband Sportmentaltraining) ein echter Fachverband. Das ändert die Spielregeln grundlegend: Die Ausbildung orientiert sich streng an den Richtlinien des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) mit seinem bewährten, mehrstufigen Lizenzsystem: Mentaltrainer C, B und A.
Warum die Qualifikation bei der DMA/DBVS:
- Der Netzwerk-Faktor: Hier geht es nicht nur um ein Zertifikat, sondern um die Zugehörigkeit zu einem echten Experten-Netzwerk. Der DBVS setzt Qualitätsstandards, die weit über das bloße „ZFU-Siegel“ hinausgehen.
- Maximale Anerkennung: Abschlüsse, die durch einen Berufsverband (DBVS) gestützt werden, haben in der Welt der Sportverbände und Vereine ein völlig anderes Gewicht. Sie fungieren als echtes Qualitätssiegel gegenüber dem Kunden – dem Athleten.
- Absoluter Praxis-Fokus: Die Ausbildung findet ausschließlich in Präsenz vor Ort statt (z. B. in Duisburg). Dieser Praxtistransfer kann durch keine Form der Online-Ausbildung ersetzt werden.
Die Fakten zur C-Lizenz im Detail:
- Umfang: 4 Module à 3 Ausbildungstage (12 Tage Präsenzausbildung).
- Investition: 790,00 € pro Modul (3.160,00 € Gesamtkosten), inkl. aller Arbeitsmaterialien.
- Prüfung: Eine anspruchsvolle, mehrstündige Abnahme in schriftlicher, mündlicher und praktischer Form direkt beim DBVS in Leipzig
Fazit: Qualität hat ihren Preis – und ihren Wert
Der Vergleich zeigt schmerzlich: Wer am Anfang spart oder sich von einer „Note 1“ eines Online-Kurses blenden lässt, zahlt am Ende oft drauf – sei es durch fehlendes Praxiswissen oder mangelnde Anerkennung im Markt.
Der Sprung von 600 € auf über 3.000 € ist eine Investition, keine Ausgabe. Während Anbieter 2 mich fachlich zwar fit im Bereich der Sportpsychologie gemacht hat, liefert die DMA/DBVS das, worauf es im Leistungssport wirklich ankommt: Ein belastbares Fundament, methodische Sicherheit durch echtes Training und den Zugang zu einem professionellen Netzwerk. Wer im Profisport ernst genommen werden will, sollte diesen Weg wählen.
Hier die Verlinkungen zur Deutschen Mentaltrainer Akademie e.V. und zum Deutschen Bundesverband Sportmentaltraining e.V.
www.deutsche-mentaltrainer-akademie.de
www.dbvs.org
